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PD Dr. Andreas Rüther

Prof. Dr. Andreas Rüther

 

Klima, Hunger und Migration. Eine Umweltgeschichte der mittelalterlichen Neusiedlung

 

Das Ende der europäischen Landesausbauphase im hohen Mittelalter wurde oft mit dem Einsetzen einer sogenannten Kleinen Eiszeit zu Beginn des 14. Jahrhunderts in Verbindung gebracht. Der Zusammenhang dieser Kolonisationsepoche mit einer hochmittelalterlichen Warmzeit-Anomalie ist bisher stets behauptet, aber kaum je näher untersucht worden. Dieses Verhältnis zwischen dem kontinentalen Klimaoptimum im 12. und 13. Jahrhundert und den Auswanderungs- und Siedlungsbewegungen gilt es tiefgreifender in den Blick zu nehmen, um die Auswirkungen von Umweltveränderungen auf gesellschaftlichen Wandel zu erörtern. Für dieses Thema nicht genutzte chronikalische Zeugnisse ‒ neben Proxydaten die Datengrundlage für Klimahistoriker ‒ sind im Überfluss verfügbar für sämtliche Regionen Europas und bilden den breiten Hintergrund einer Untersuchung von langer Dauer. Die schriftliche Quellenbasis reicht von deutschen Herrscherurkunden über klösterliche Berichte aus Westeuropa bis hin zu städtischen Aufzeichnungen nördlich der Alpen. Der Forschungszugang setzt bei den ökologischen Bedingungen des milden Gunstklimas an und analysiert die verschiedenen sozialen Antworten auf den Druck extremer Klimaereignisse. Häufig sind es kurzfristige Reaktionen auf natürliche, schnelle Verschiebungen, die zwar nicht einfach mit klimatologischen Erscheinungen synchronisiert werden können, an denen aber Berührungspunkte mit Migration und Kolonisation zu entdecken sind. Unter dieser globalen Perspektive werden die Bewältigungs- und Anpassungsstrategien anhand von Fallstudien zu einzelnen Räumen, auch östlichen wie Schlesien, erläutert und dabei nicht Kausalitäten, sondern mögliche Korrelationen zwischen Klima, Wetter und mittelalterlichen Kulturen betrachtet. Zur Auswertung des komplexen Beziehungsgeflechts zwischen längerfristigen Klimatrends, Missernten, Getreidemangel und Hungersnot sowie Handlungsmustern der Zeitgenossen liefern einzig lokale (erzählende) Traditionen auch kontextuelle Auskünfte. Wegen der Zusammenarbeit mit Meteorologen, Geographen, Umweltphysikern, Biologen und Archäologen ist die Veröffentlichung in Englisch vorgesehen.

 

Institutionelle Anbindung:

 

Geschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit

Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie

Universität Bielefeld

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E-Mail: andreas.ruether@uni-bielefeld.de


 

 

Link:

https://ekvv.uni-bielefeld.de/pers_publ/publ/PersonDetail.jsp?personId=49989340

 

Publikationsform:

Short-form book, Series Arc Impact, Arc Humanities Press, Medieval Institute Publications